persönliche Rückschau zu den kantonalen Wahlen 2018

Kantonale Wahlen 2018 – eine persönliche Nachlese
Blockverhalten trotz geschärften Positionen, Politik wird liberaler und wertfreier, EVP als gebende Partei, persönliche Bestätigung für aktuelles Lebenskonzept.

Kandidiert für die Regierung und für den Grossen Rat, zudem in einem neuen Wahlkreis und in neuer beruflicher Konstellation – dies die Ausgangslage. Von allen möglichen Szenarien ist das standardmässige, routinemässige, wahrscheinlichste eingetreten, dasjenige mit den wenigsten positiven- wie negativen Überraschungen:

-         Trotz wohlwollenden Rückmeldungen und akzeptablem Resultat nicht gewählt als Regierungsrat

-         Als Grossrat mit einem sehr positiven persönlichen Resultat und einer engagierten EVP-Liste im Rücken klar wiedergewählt

Persönliches FAZIT:

Jedes andere politische Resultat hätte eine Neu-Konzeption unserer aktuellen «Lebenssituation» ausgelöst. Diese Aussage ist nicht unbedeutend, wenn bekannt ist, dass wir erst vor knapp zwei Jahren unsere «Lebenssituation» neu konzipiert haben und dass in der Zwischenzeit auch innerfamiliär eine weitere Ablösung der «Jungmannschaft» von uns Eltern stattfand. Daher nehme ich, nehmen wir, Andrea und ich,  das Resultat bewusst als Aufforderung und Bestätigung, unsere Aufgaben weiter zu pflegen und zu entwickeln. Lebenssituation oder sogar aktuell Lebensaufgabe heisst für mich und Andrea den Dienst an der Gesellschaft als Gastgeber im Schlossgut weiter zu pflegen und gleichzeitig die Chance zu haben, in bewährter Manier politisch wirksam zu sein oder auf andere Art in die Gesellschaft zu wirken. Mit Überzeugung werden wir unsere Pachtzeit bis mindestens 2021 erfüllen, dann wird irgendwann auch zu entscheiden sein, ob ich für eine weitere Legislatur im Grossrat antreten werde.

Mein persönliches Fazit wird durch folgende Einzelüberlegungen, Fragmente aus der Wahlanalyse und Erfahrungen geprägt:

Regierungsratswahlen: Geschärfte Positionen:

Der (Medien-) Zwang im Wahlkampf pointierte Aussagen zu machen, führt auch dazu, die eigenen Positionen zu reflektieren und damit auch zu schärfen. Statements erhalten ein Eigenleben, müssen neu gefüllt werden mit Inhalt, fordern Umsetzungsmassnahmen. Nachfolgende prägende Kernaussagen werden mich sicher in der weiteren politischen Tätigkeit begleiten:

-          Unternehmerisch denken heisst sozial handeln (eine echte Mitte-Herausforderung!!)

-         Ächt guet – authentisches handeln und echt bleiben auch in der Politik

-         Menu bernois: Stärken erhalten – Schwache schützen

Zwei Einzelthemen werde ich sicher in der Grossratsarbeit wieder aufnehmen:

Das ursprünglich bernische verbinden in Tourismus und Landwirtschaft: Tourismus mit Ursprungsgarantie – hiesige Produkte – hiesige Mitarbeitende.

Integration in die Arbeitswelt von benachteiligten Einheimischen wie von Kulturfremden. Dazu sind niederschwellige Arbeitsplätze nötig – handgemacht statt fabrikproduziert, Mensch statt Maschine – scheint mir die Devise zu sein.

Regierungsratswahlen: Wahlverhalten – EVP Position:

Einmalmehr hat sich gezeigt, wie schwierig es ist, die Blockstrategie bei den Regierungswahlen aufzubrechen. Obschon ich mich von den Medien gleichwertig behandelt fühlte und anerkennende, respektierende und wohlwollende Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhielt, gelang es nicht genügend Wähler von meiner Kandidatur zu überzeugen.

Die Wählenden verhalten sich in der Regierungswahl wie in einer Proporz-Wahl und nicht wie in einer Persönlichkeitswahl (Majorzwahl). Sie wählen Blöcke und nicht in erster Linie Köpfe. Selber mitgewählt wurde ich eher in rechts-konservativ geprägten Gemeinden, für die linke Seite war wohl meine «Verwaltungseffizienz-Motion» ein abschreckendes Szenario.

Wenn Vertreter kleinerer Parteien sich einem Block anschliessen, werden sie «mitgeschwemmt», diejenigen, welche alleine eigenständige Positionen vertreten haben bisher unüberwindbare Hürden vor sich. Wenn die «Mitte» ein nächste Mal Erfolg haben will, so muss entweder eine Blockbildung in der Mitte (EVP, BDP, GLP, CVP) oder ein Mitte-Rechts oder Mitte-Links Bündnis angestrebt werden.

Grossratswahlen: Listenverbindung hilft Bündnispartnern:

Im Wahlkreis haben wir auch mit Hilfe einer Listenverbindung (EVP-EDU-GLP-BDP) einen Sitzgewinn erhofft. Dazu hätten wir Wähleranteilmässig die glp überholen müssen oder von Reststimmen der Bündnispartner profitieren sollen. Obschon wir Wähleranteilmässig zugelegt haben, hat beides nicht gereicht, die glp hat vor allem im Raum Köniz stärker zugelegt, die anderen Parteien waren selber auf Reststimmen angewiesen. Im Bündnis waren wir also die einzig gebende Partei – alle anderen haben den Sitz (EDU) oder den zweiten Sitz (glp, BDP) nur mit Hilfe der EVP gemacht….Dank dieser Strategie gelang es aber die 6 Sitze unter den Beteiligten zu halten.

Grossratswahlen :
Gesamtresultat liberaler und Pole gestärkt

Leider ist in den Wahlresultaten eine Zentrifugalkraft ablesbar – nicht gerade eine Flucht, aber doch ein Wegdriften aus der Mitte. Die Rotationsbewegung geht weg von konservativen Werten über einen leichten linksdrall zu mehr Liberalismus. Auch die «Smartmaps» haben schon vor den Wahlen gezeigt, dass die «erhaltende Ebene» weniger vertreten ist. Vor lauter Freiheitsdrang gehen bleibende Werte vergessen, Standpunkte werden der Beliebigkeit preisgegeben, gesellschaftsliberal und wirtschaftsliberal werden «freiheitlich und auch freidenkend» Lösungen jenseits bewährten Modellen propagiert.
Ich bin überzeugt, dass der EVP zunkünftig noch mehr die Rolle der «werteerhaltenden» Partei zukommen wird, welche fundamentale, nicht fundamentalistische, Positionen vertritt. (traditionelle Familienwerte anstelle beliebige Konstrukte, Solidarität mit Schwächeren anstelle (Wirtschafts-) Macht des Stärkeren, um nur zwei Beispiele zu nennen)

Grossratswahlen: Münsinger Bestätigung:

Wollen die Münsinger Ihren Schlossgut-Wirt weiter in der Politik, wenn ja in welcher Position?  – diese Frage kann teilweise aus den örtlichen Resultaten beantwortet werden. Interessanterweise habe ich in ländlichen Ortschaften ein proportional besseres Resultat als Regierungsrat gemacht als in Münsingen selbst. Gleichzeitig erzielen wir in den Grossratswahlen ein starkes Münsinger Resultat, auch persönlich erhalte ich sehr gute 535 Stimmen aus Münsingen…

Dies und die persönlichen Rückmeldungen vor und nach den Wahlen lassen mich daraus schliessen, dass die Münsinger den Schlossgut-Wirt gerne weiterhin als Grossrat nach Bern senden, ihn aber nicht im Schlossgut verlieren wollen, und das hätten sie, hätten sie mich in den Regierungsrat gewählt…

Damit schliesst sich der Kreis zum persönlichen Fazit: Gerne verbinde ich die politische Aufgabe als Grossrat weiterhin mit der Aufgabe als Gastwirt im Schlossgut Münsingen.

ÄCHT GUET  & UNTERNEHMERISCH DENKEND & SOZIAL HANDELND.

Merci für alles!

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