äm Kari sini Fründe
Die Thunerseespiele haben mit ihren Aufführungen einmal mehr die Herzen berührt. Die Geschichte von Dällebach Kari bescherte den Organisatoren Rekordbesucherzahlen und wird nun sogar nach Zürich exportiert.
Auch viele Thuner waren bewegt von dieser witzig-melancholischen Geschichte und haben mit Dällebach Kari mitgelitten. Haben wir uns dabei auch Gedanken gemacht, was wäre, wenn Kari heute und in Thun leben würde? Als Stadtoriginal: Ein benachteiligter Mitmensch stürzt ab und stürzt sich von der Brücke.
Dällebach Kari hatte besondere Qualitäten: Er verstand sein Handwerk als Coiffeur („Kunst am Gring“) und er verstand es, die Leute mit trockenem Humor zu unterhalten. Lebenswerte Eigenschaften. Liebenswerte Eigenschaften? Kari hatte wegen anderen Beeinträchtigungen praktisch keine wahren Freunde. Was wäre gewesen, wenn ein solidarisches Netz von Freunden Kari in seinen Zweifeln getragen und sogar aufgefangen hätte?
Solidarität mit sozial Benachteiligten. Nein, nicht nur Solidarität. Sind wir heute in Thun fähig, Freundschaften zu leben zu unseren Mitmenschen, vor allem zu denen, die vom Leben nicht gerade bevorteilt wurden? Wie eng spannen wir das Netz der Solidarität in Thun? Bliebe heute einem Stadtoriginal in Thun auch nur dieser Notausgang? Wo si am Kari sini Fründe?
